Oratorienchor in Corona-Zeiten

24. Mär 2020

Chorproben unter Corona-Bedingungen

gefördert durch Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Eigentlich wollten wir. Eigentlich wollten wir so vieles. Eigentlich war alles ganz anders geplant. Stellen Sie sich vor, Sie haben wochenlang an einem Stück geübt, und zur Aufführung stellen Sie fest, dass es nicht in F-Dur steht, sondern in Fis-Dur. So fühlt sich Corona-Krise musikalisch an. Matthäuspassion, Passionsmusik, Ostersonntag mit Händels Messias, Chorfahrt in das Erzgebirge - so vieles darf und kann nicht stattfinden.
Und trotzdem, die Musik geht weiter. Mit ganz anderen Vorzeichen.
Am 11. März fand die letzte „normale“ Probe des Quedlinburger Oratorienchores statt. Seitdem proben wir digital. Aus der Not heraus, wurde die Idee geboren, die Probe nur mit dem Chorleiter digital aufzuzeichnen und allen Chormitgliedern zur Verfügung zu stellen, um zu Hause weiter zu proben. Das ist anstrengend, zumal wenn für 80 Sängerinnen und Sänger Noten verteilt werden, die Technik streikt und man sich stets neu motivieren muss, allein und nicht im Chor proben zu müssen. Eben Fis-Dur statt F-Dur. Die digitale Chorprobe wurde mittlerweile in das Bundesprogramm „Demokratie Leben“ aufgenommen und wird vom Familienministerium gefördert. Damit ist es möglich, die Proben professionell aufzeichnen zu lassen und ein Online-Stimmbildungsprogramm anzubieten, das ausdrücklich allen zu Gute kommen kann, die gern singen möchten. Sie finden die Tutorials demnächst auf dem Youtube-Kanal der Kirchengemeinde. [hier bitte Logo einfügen]
Mittlerweile wissen wir, dass das Singen eben nicht nur uns guttut, sondern auch der Verbreitung von Viren. Daher müssen wir wohl auf längere Zeit darauf verzichten, als ein großes Ensemble aufzutreten. Sobald Versammlungen in geschlossenen Räumen wieder möglich sind, werden wir uns daher in vier Kammerchöre aufspalten, die das Singen im vierstimmigen Satz möglich machen. Wir werden dann mit jeweils 17 – 20 Sängern Chorwerke vorbereiten, die wir in den Weihnachtskonzerten aufführen können. Parallel dazu werden wir uns im vierzehntägigen Rhythmus im Frauen- bzw. Männerchor wiedersehen, um dort die Missa cum Jubilo bzw. die Missa brevis für die Aufführungen Ende August und am 3. Oktober vorzubereiten.
Auch Fis-Dur kann man bewältigen. Es sind die weniger gebräuchlichen schwarzen Tasten, die man dafür verwenden muss. Das ist anstrengend. Zwischen Fis-Dur und F-Dur liegt nur ein Halbton, ein ganz kurzer Weg. Auf dem Quintenzirkel dagegen liegen zwischen Fis-Dur und F-Dur sieben Etappen.
Und doch: Man kann von Fis-Dur nach F-Dur gelangen. Es ist ein weiter Weg. Aber irgendwann sind die Vorzeichen weg. Darauf dürfen wir hoffen. Und deshalb gedulden wir uns.