Kirche St. Petri zu Hausneindorf

Die heutige Kirche St. Petri in Hausneindorf wurde 1791 eingeweiht, nachdem der 1289 zum ersten Mal erwähnte Vorgängerbau wegen Baufälligkeit und zu geringer Kapazität abgebrochen wurde. Dabei wurden aus der alten Kirche Teile zweier Emporen, Epitaphe, das Gestühl und die damalige Orgel übernommen. Ebenso stammen sechs Gemälde an der Patronatsloge, die das Leben Jesu darstellen, aus der alten Kirche. Bemerkenswert ist die Glocke aus dem Jahre 1618, die in die neue Kirche übernommen wurde und heute noch in Benutzung ist.
1799 wurde der jetzige Altar eingeweiht, der jetzige Taufstein stammt von 1883 und enthält einen holzgeschnitzten Deckel aus der Röverschen Orgelwerkstatt.
1884 wurde der Kirchenraum umgestaltet. Die bisherigen Eingänge wurden beseitigt und ein breiter Zugang durch den Turm geschaffen. Ebenso wurde die Tür mit einem Sandsteinportal geschmückt.
Die Orgel wurde bereits 1758 erwähnt und wurde später zur Vorführorgel der Reubke-Röverschen Werkstatt ausgebaut, die dem jeweiligen technischen Entwicklungsstand der Firma angepasst wurde.

Disposition der Hausneindorfer Orgel:

 
Manual I
Manual II
Pedal
Bordun  16’
Gedackt 16’
Subbass 16’
Principal 8’
Salicional 16’
Violon 16’
Gambe 8’
Geigenprincipal 8’
Offenbass 8’
Hohlflöte 8’
Gedackt 8’
Cello 8’
Gemshorn 8’
Harmonieflöte 8'
Bassflöte 8'
Oktave 4’ Harmonika 8'
Posaune 16'
Flöte 4’
Salicional 8’
Rauschquinte 2-fach
Aeoline 8'
Mixtur 4-fach
Voix celesta 8’
 
Trompete 8’
Oktave 4’
 
Flöte 4’
Piccolo 2'
 















Spielhilfen:


Pedalkoppel I/P, II/P
Manualkoppel II/I, Suboktav II/I, Superoktav II/I, Superoktav II
5 feste Kombinationen (p, mf, f, ff, Tutti)
2 freie Kombinationen (komb. Hand-Fußeinschaltung)
Handregister ab
Rohrwerke ab
Leerlaufkoppel
Koppeln ab
Rollschweller ab
Automatische Pedalumschaltung
Rollschweller (Crescendo-Walze)
Jalousieschweller (Schwelltritt)

Die Orgelbaufirmen Reubke und Röver in Hausneindorf

Christian Adolf Reubke, Sohn eines Zinseinnehmers in Hausneindorf aus der Zeit der französischen Besatzung, war ein technisch und musikalisch begabter junger Mann, der zunächst Klaviere baute. Da dieses Geschäft nicht gut ging, wandte er sich 1837 dem Orgelbau zu, nachdem er das Grundlagenwerk des Weimarer Orgelbautheoretikers Töpfer gelesen hatte. Waren es im Anfang kleinere Orgeln für Dorfkirchen, so wurde sein Geschäft durch den Bau der Domorgel zu Magdeburg weit bekannt. Er bekam jetzt so viele Aufträge, dass er seine Werkstatt bald durch Neubauten zu einer kleinen Fabrik erweitern musste.
Seit 1860 arbeitete sein zweiter Sohn Emil Reubke mit in der Fabrik, der nach dem Tode seines Vaters 1875 die Leitung der Firma übernahm. Zur gleichen Zeit fing er an, die ersten Orgeln nach dem pneumatischen System herzustellen. Das erweckte in Fachkreisen großes Aufsehen, auch bei dem Orgelbauer Ernst Röver aus Stade bei Hamburg, der nach dem Tode Emil Reubkes 1884 die Fabrik kaufte, da keiner der Erben die Fabrik übernehmen wollte. Röver übernahm das pneumatische System und baute es weiter aus. Bald hatte er so viele Aufträge, dass er nochmals einen Um- und Erweiterungsbau der Fabrik vornahm und dabei die Fertigung von Handarbeit auf Dampfkraft umstellte. Die von ihm gebauten Orgeln wurden nicht nur in ganz Deutschland (z.B. Orgeln in Quedlinburg, Halberstadt, Cuxhaven, Hamburg, Leipzig, Berlin), sondern auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt, so dass z.B. auch in Moskau eine Röver-Orgel aufgestellt wurde. Die größte seiner Orgeln (3 Manuale, 101 Register und 5808 klingende Pfeifen) steht in Hamburg
Der erste Weltkrieg setzte der positiven Entwicklung ein Ende, weil nun keine neuen Orgeln gebaut wurden. Stattdessen war die Firma mit dem Ausbau der Pfeifen aus Zinn und Zink beschäftigt, deren Metall für die Rüstung benötigt wurde.
Nach dem Krieg hatte die Firma Röver vor allem mit dem Wiederinstandsetzen der demontierten Orgeln zu tun. Ernst Röver starb 1923, und damit endete der Orgelbau in Hausneindorf, da seine Nachkommen andere Interessen hatten und nicht zur Weiterführung der Firma bereit waren. Sicher spielte dabei auch eine Rolle, dass der Tode Ernst Rövers in die Inflationszeit fiel, so dass die wirtschaftlichen Aussichten für die Firma zu diesem Zeitpunkt sehr schlecht waren.

Hier finden Sie weitere Informationen zur Kirche.

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